Liebe Leserin, lieber Leser,

heute kann ich sagen, zum Glück kommt im Leben manchmal alles anders als man denkt. Mein Sohn half mir in seiner "Besonderheit", alte Vorstellungen loszulassen, Unvorhergesehenes und Unangenehmes als Lernaufgabe zu betrachten und wachsam zu werden für das Wesentliche im Leben: die Liebe. Es ist mir eine Freude, dass Sie meine Erfahrungen mit mir teilen möchten. Mein Buch möchte Sie anregen, nachdenklich machen, bestärken oder unterhalten. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen mit diesem Buch ein spannendes Leseerlebnis, so wie es schon viele Menschen vor Ihnen erfahren haben. Ich habe auch viele Aufzeichnungen und Einträge aus meinem persönlichen Tagebuch mit aufgenommen, die Sie an der kursiven Schrift erkennen.
Gehen Sie mit mir noch einmal zurück zu den Anfängen meines Weges. Erleben Sie mit mir meine Trauer, meinen Schmerz, meine Freude und mein Glück.

Angefangen hat alles mit der traumatischen Geburt, dann der langsamen Entwicklung unseres Sohnes und seiner drohenden Behinderung. Seine Schreiattacken und Schreianfälle überforderten mich und verstärkten so meine gesundheitlichen Probleme. Die immer wiederkehrenden Unstimmigkeiten mit meinen Eltern und Schwestern trugen dazu bei, meine und unsere Situation verändern zu wollen - und so begann ich mit der Kunst- und Körpertherapie. Alles, was mir mein Körper verriet und meine Bilder mir sagten, veränderte mein gesamtes Leben. Ich begann mich langsam an meine in frühester Kindheit erfahrenen körperlichen und seelischen Schmerzen zu erinnern. Ich spürte meine tiefe ungestillte Sehnsucht nach mütterlicher Wärme und Fürsorge. Von diesem Zeitpunkt an lernte ich mich selbst zu spüren, anzunehmen und zu lieben.

In diesem Prozess wurde mir das bewusst, was in meiner Familie vor vielen Jahren geschehen ist. Wir benennen es meist als Unrecht. Aus einer anderen Perspektive betrachtet, veränderte das Verstehen der dahinter liegenden Lektionen sowie die Konfrontation mit den Betroffenen entscheidend das Leben mit meinem Mann und meinem Sohn: Seine Schreiattacken hörten auf. Zudem wurde mir klar, dass die von mir als problematisch empfundene Familiensituation mit der Geschichte unseres gesamten Familiensystems zu tun hat - unbearbeitete Konflikte und unterdrückte Schmerzen beeinflussen massiv seit Generationen unsere Familie. All dieses ließ die Situation zunehmend entspannen und ich gewann Sicherheit in meiner schwierigen Mutterrolle.
Aber da war noch mehr: Ich spürte weiterhin unsichtbare Schranken zwischen mir und meinem Sohn, zwischen mir und meinem Mann. Sie waren so ungreifbar und verstellten uns den Weg. Mit therapeutischer Intervention offenbarten sich mir die stets wirkenden spirituellen Zusammenhänge. Dieses öffnete letzten Endes den Weg zu mir selbst. Das damit verbundene heilende Loslassen hat die Liebe in mir für mich und meine Mitmenschen erweckt.

Manchmal frage ich mich, hätte ich dieses unbeleuchtete Zimmer meiner Kindheit wohl erhellt, wenn mein Sohn sich "normal" entwickelt hätte? Er hat das gesamte Umfeld unserer Familien verändert. Insbesondere hat Lukas mich angeregt in mich zu gehen, Lebenseinstellungen zu überdenken und Werte neu zu definieren. Nun kann ich freudig zusehen, wie wir alle aufgeschlossener und ehrlicher zusammenwachsen und wie er befreiter und kraftvoller auf das Leben zugehen kann.

Ihre Miren Zandl

 

nach oben

home